Michael Post -
zur Ausstellung: Linie – Fläche – Farbe – Raum - über Heiner Thiel Bildhauer Wiesbaden
„Die Ideen, Verhältnisse und Gedanken, die sie sichtbar machen, sind die Semantik des Materials und die Semantik des künstlerischen Verfahrens, der Präsentation und der Komposition .
“ Was hier im Zusammenhang konkreter Bildfindungen beschrieben wird, trifft auch auf die Arbeiten Heiner Thiels zu .
In diesem Kontext ist es jedoch notwendig, unser Augenmerk auf die spezifische, ja singuläre Ausprägung seiner Kunst zu richten .
Zum besseren Verständnis möchte ich kurz auf den Weg von den abstrakten zu den konkreten Bildfindungen Heiner Thiels eingehen: In frühen Arbeiten Ende der siebziger, Anfang der achtziger Jahre entstanden ersten Stahlskulpturen – sie sind halbabstrakt – deren Abbildhaftigkeit auf vorangegangenen Naturstudien basierte .
Seine Wahrnehmung fokussierte sich zunehmend auf die Zusammenfügung von „Bauteilen“ zu einem ganzen Gefüge, wie sie bei Skeletten oder eben Schädelformen ablesbar sind: Ein Schädel ist ein architektonisches oder tektonisches Gebilde, das nach ganz festgelegten Regeln wächst .
Für mich waren interessant dabei konvexe und konkave Wölbungen, positiv und negativ .
Mich hat nicht der Schädel als Alltags- oder
Todessymbol interessiert, nichts Mythisches, sondern: Wie ist so was gebaut, und was für Bedingungen hat es zu erfüllen, schreibt Heiner Thiel damals .
Mit dieser deutlichen Absage an die christliche abendländische Tradition der Vanitasbilder, die dem Schädelabbild als Sinnbild des Vergänglichen schlechthin und als Mahnung der Begrenztheit des Lebens zugeordnet wird, beginnt sich seine künstlerische Vorgehensweise auf die formalen Fragen Linie, Fläche und Raum zu konzentrieren .
Über die kollagenartige Verarbeitung von Blechstücken entstehen Mitte der achtziger Jahre einige langgezogene Bodenskulpturen und erste halbplastische Wandarbeiten, die durch die proportionale Anordnung und Komposition der drei genannten Faktoren das menschliche Sehen in besonderem Maße ansprechen .
Mit der Befreiung von jeglicher Abbildhaftigkeit kann sich die menschliche Wahrnehmung auf das konzentrieren, was „wirklich da ist“ .
Heiner Thiel sucht fortan die direkte Auseinandersetzung mit plastischen Konstruktionen, die verschiedene Ebenen facettenartig aufzeigen .
Diese dem Ordnungsprinzip einer jeweiligen Arbeit zugeordnete Ansammlung von Flächen und erhabenen Stegen, geschlossenen und offenen